Viertelblues – Abendbericht vom 26. September 2025

…auch der Berichterstatter hatte letzte Woche mit Blues zu tun. Erkältungsblues. Deshalb möge man es ihm Nachsehen, daß über den Abend nur fragmentarisch berichtet werden kann.

Den Anfang machte Wolfram Hirche mit „Alles Grün“. Blechblauer Himmel über dem Nacktbadestrand am Flaucher. Franziska – überall rasiert – und ihr Freund Friedrich sind sich nicht so einig über´s hüllenlose Baden. ´Fahr los es ist Grün´. Wie immer bei Hirche: Humor und Erzählkunst ergänzen sich perfekt.

Petra Lang erzählte von einer Ministerin mit TV-Team in einer Eierlikörfabrik, die ihren vorgetäuschten Tod plant, dabei aber von Pauline – einer Politesse – und Frau Nautilus der Eierfrau, der Täuschung überführt wird. Eine komische, bizarre Geschichte mit gekonnten Wendungen.

Hans-Jürgen Henze machte mit dem Gedicht „Champagner macht die Menschen froh“ – angelehnt an „Die Bernauerin“ von Hebbel – auch die Zuhörer froh. Das Ganze spielt in Obermenzing und Pasing. Anhaltende Freude im Publikum.

Patrick Erdmann lies seinen einsamen Protagonisten auf der Wohnungssuche durch Haidhausen wandern. Aber dieser hatte keine „Glut“ und trotzdem „kam es manchmal zu einem Blickkontakt“ mit anderen Menschen. Kleine Details gaben dem doch etwas bluesigen Text Würze.

Walter Grassl blueste zusammen mit Enten an der Isar über die KI. Kann der KI langweilig sein? Interessante Frage, aber hier Themaverfehlung.

Den Schlußpunkt setzte Christian Dörge. In der Erzählung, oder besser dem Langgedicht „Stadt ohne Schlüssel“, geht es um das Fremdsein in der Stadt, auch wenn man schon lange hier lebt. ´Ich bin fremd in dieser Stadt. Seit 25 Jahren und dennoch gehe ich Nachhause/Fremd sein heißt, das Freundlichsein gehört nicht mir´. Auf einer Bank sitzen, die mehr Geduld hat als jeder Mensch. Ein Abschied der ein Abschied ist, obwohl man bleibt. Neuhausen-Blues vom Feinsten.

Abendbericht und Foto: Beppo Rohrhofer
Foto v.l.n.r: Christian Dörge, Patrick Erdmann, Petra Lang, Hans-Jürgen Henze, Walter Grassl.