Wie es ist, eine Fledermaus zu sein – Abendbericht vom 16. Januar 2026

Ja, wie ist es, fragte sich das Publikum beim 2.331 Werkstattabend des Münchner Literaturbüros, und acht Autorinnen und Autoren gaben Antwort. Um es kurz zu machen: großartig! Es war großartig, spannend, abwechslungsreich, kurzweilig, lehrreich, was da den Autorinnen und Autoren so alles einfiel zum Thema „Fledermaus“.

Den Beginn machte Vera Botterbusch mit Gedichten um und über die Fledermaus in gelungenen Bildern „vom glühenden Traum vom eigenen Jetzt“ bis hin zur Frage „was sie treiben, die Fledermäuse unter dem Dach“.

Ihr folgte die Autorin Nisanga mit einem komplexen Text, der angestoßen wurde durch den realen Tod des Mädchens Jessica, das von ihren Eltern verwahrlost im Dunkeln gefangen gehalten wurde. Ihre Transformation zu einem fledermausähnlichen Wesen bedrückte und beeindruckte.

Heiter wurde es mit Herbert Hollitzer, der in Piet-Klock´scher Ein- und Undeutigkeit dem Wesen der Fledermaus, nun ja, annähernd wissenschaftlich nachjagte und die zweifellos bedeutende Frage stellte, was Fledermäuse machen, wenn sie inkontinent sind.

Dass Fledermäuse genauso wie menschliche Zeitgenossen erhebliche Probleme bei der Wohnungssuche haben, machte Walter Grassl mit valentinesker Raffinesse klar. Denn alle Fledermäuse wollen unters Dachgeschoss! Erdgeschoss ist nicht akzeptabel, schon gar nicht für die Flederfrau, die lässt den Fledermann in einem solchen Fall schon mal schnell hängen.

So lebendig wie vor der Pause, ging es im zweiten Teil des Abends weiter, wieder eröffnet mit Fledermaus-Gedichten, diesmal unter dem Titel „Die wahre Fledermaus“. Pia Mayer-Gampe stellte dem Publikum ihr lyrisches Ich „eingewickelt in alter Haut“ und „im Gebälk ihrer Jahre“ vor. Als Abschluss trug sie das Gedicht auch in englischer Sprache (The true bat) vor.

Und was sagt die KI zur Frage „Wie es ist, eine Fledermaus zu sein?“. Dieses Gedankenspiel griff wunderbar Petra Ina Lang auf, die der KI-Pionierin Eliza die Aufgabe stellte, eine Geschichte zu diesem Thema zu schreiben. Natürlich haben Elizas Töchter Wiki, Siri, Alexa und wie sie alle heißen, auch noch mitzureden. Und so entspinnt sich eine Running-Story mit einem – wie tröstlich, angesichts der KI-Ängste – Happy End für die Fledermäuse.

Von der Fledermaus zum Vampir, diesen (wahrscheinlich von vielen erwarteten) Sprung meisterte Günter Mitschke. Wie bei Mitschke üblich jedoch ganz anders als erwartet. Er zählte fünf Buchstaben in „Vampir“ und wusste 41 Autorinnen- und Autorennamen mit ebenfalls fünf Buchstaben. Ach ja, die Zahl 41 ergibt übrigens auch wieder fünf, was schon fast kabbalistisch-metaphorische Hintergründe vermuten ließ.

Metaphorisch ließ sich auch der letzte Text des Abends von Marc Richter nennen. Ein junges Pärchen, dem sich ein Boot mit anderen jungen Leuten nähert, ein Bein über der Planke, Musik –, nicht einzusteigen, hieße bereuen. Und so fahren sie mit über den Rhein auf eine Landzunge, die Musik spielt „Back in the USSR“, Neugierde, Kennenlernen, Flirts flammen auf, „when the guitar gently weeps“. Es ist ein Kunstwerk, wie sich Geschehen und die Titel von Beatles-Songs vermischen, während über den Köpfen der jungen Leute die Fledermäuse flattern.

Im Gesamten darf den Autorinnen und Autoren gratuliert werden, wie viele inspirierende Ansätze sie für das Thema gefunden haben. Und dem Vorstand des MLB darf weiterhin Mut zu ungewöhnlichen Themenabend gewünscht werden.

Abenddbericht: Franz Westner