„Abschied, immerzu Abschied!“ – Abendbericht vom 26. Dezember 2025

Gut, daß Ulrich Braun, das nicht in die Tat umsetzt. Wäre sehr schade, wenn er nicht mehr im MLb lesen würde. Wir würden seine Erzählungen arg vermissen. Ulrich Braun las bekannte und neue Kapitel aus seinem Romanentwurf „Immerzu Abschied“.

Wir befinden uns an Weihnachten 1936 in in Lötzen Ostpreußen. Der Autor erzählt aus Erinnerungen seines Vaters Günther als Kind. „Zu Weihnachten verzaubert sich die Welt, jedenfalls für Kinder.“ Der erste Hinweis darauf, daß die Welt damals eben nicht mehr für alle in Ordnung war. Auch in Lötzen. Onkel Kurt ein eingefleischter SS-ler. Die Oma spricht vom Führer als Schreihals. Der Nachbar Krause mag die Nazis nicht, wird von Günther deshalb immer wieder provoziert, bis ihn sein Vater zurechtweist. An Hl. Abend bekommt Günther dann, nach langem, bangen Suchen, doch seine Sprungski – mit Drahtschlingen-Metallwangenbindung – aus Hickory Holz. Er will doch zu den Olympischen Spielen in Garmisch. Zum Weihnachtsessen gab es, unter anderem Klößchen „die wie militärisch auf dem Tisch lagen“. Günther trank Malzbier, Onkel Paul Hell. Danziger Goldwasser gab´s auch. Zum Kirchgang am 1. Weihnachtsfeiertag verlangt Omchen von den Männern Zivil. Onkel Kurt kommt deshalb nicht mit. War auch gut so, da es hier einen skandalösen Zwischenfall mit SA-Leuten wg. des Liedes Tochter Zion gab. „Zurück blieb Totenstille“. Ulrich Braun beherrscht sein Metier. Gekonnte literarische Arbeit, wechselnde Perspektiven, realistische Dialoge, einprägsame Bilder. Man darf gespannt sein auf weitere Episoden aus der masurischen Familiensaga.

Abendbericht: Beppo Rohrhofer
Foto: Katharina Berger