Konkurrenzlos – Abendbericht vom 6. März 2026

Das Reglement für den Haidhauser Werkstattpreis sieht für die Vorrunden mindestens vier Autorinnen und Autoren vor, diesmal wollten aber nur drei ihre Texte vortragen. So wurde aus dem offenen Abend eine Lesung ohne Wettbewerb.

Als Erste las Roxi Nahid lyrische Kurzprosa. Der sehr dichte Text „Das Lächeln“ arbeitet mit vier Perspektiven: „Die Mutter“, „Die Tochter“, „Der Sohn“, „Der Bestatter“. Der Vater fehlt. Die Familie ist dysfunktional, die Kränkungen sind unüberwindbar, die durchscheinenden Sehnsüchte der Mutter, der Tochter, des Sohnes bleiben unerfüllt; die Mutter wählt den Freitod.
Der Prozess ihres Schreibens, so die Autorin, sei eine allmähliche Verdichtung und Verknappung über einen längeren Zeitraum hinweg bis hin zur endgültigen Form, in der kein einziges Wort mehr entbehrlich sei. Das Publikum fand dies „anrührend gelungen“, wobei auch die Möglichkeit zur Sprache kam, das Thema genau in die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln, nämlich die Geschichte tatsächlich auszuerzählen. Spannend.

Petra Lang trug ihren soeben erst fertig gewordenen Text „Mein Name ist Ludmilla“ vor. Von der Autorin als „Wimmelbild“ angekündigt, entfaltet sich eine Geschichte über Schwestern, Tanten, Großmütter, über Kriegswirren und Entfernungen, über die Ukraine, Deutschland, Nazis. Im Zentrum: Ludmilla und ihr brennender Wunsch, sich zuzuordnen, zugehörig zu sein. Formal treiben Wiederholungen ganzer Passagen dieses Wollen voran und verleihen ihm etwas Flehentliches. Das Publikum bescheinigt dem Text hypnotische Qualitäten, er sei „einschläfernd im besten Sinn“. Das sprunghafte Erinnern mache den Text zudem sehr geeignet als Sprechtext für die Theaterbühne. Applaus!

Nach der Pause nahm Werner Prügner auf der Bühne Platz und las das erste Kapitel seines im Selbstverlag erschienenen Romans „Inn – Der Fluch des Acheloos“. Der Autor ordnet seinen Text ins Genre Psychothriller ein und eine Ahnung davon erhalten die Zuhörenden tatsächlich gleich zu Beginn. Die Atmosphäre ist düster. Wer ist dieser Franz Rohrer, der uns vorgestellt wird, wie erklärt sich dessen starker Sog hin zum Fluss Inn und seinen Flussgöttern, was ist Einbildung, was Realität?
In der Diskussion über den Text weist das Publikum den Autor auf einige stilistische Unzulänglichkeiten und noch ungelenke Bilder hin, zum Teil werden die besseren Alternativen gleich mitgeliefert. MLb-Werkstatt, wie sie sein soll.

Zum Schluss tritt Roxi Nahid noch einmal nach vorne, um ihr Gedicht „Wenn Äpfel fliegen“ vorzutragen. Der in einfacher Sprache gehaltene und aus dem Alltag schöpfende Text schlägt politische Töne an, spricht von Diskriminierung, blauem Wahlkampf, Regenbogenfahne. Äpfel fliegen nicht. Auch hier zeigt sich die Autorin als Verknappungskünstlerin. Und gut ist für heute.

Abendbericht: Christine Waßmann

Fotos: Beppo Rohrhofer