von Christian Dörge kreiert und häppchenweise auf Gourmetniveau serviert. Es ging „unter die Haut des Werkes“. Straßen werden zu Nervensystemen, Bars zu Flutbecken, Literatur zur Partitur. Aus Gedanken kann Rhythmus werden. „Für Dich Mutter, Dein Ende ist nichts.“ Was war in Berlin? „Keine Bilder für´s Familienalbum1988.“ Was ist heute in München? „Fenster dicht beschrieben, ganzjährige Weihnachtsbeleuchtung beim Nachbarn“. Kein Trost. „Die Toten sitzen damals, wie heute mit dem Gesicht zur Rückenlehne.“ Keine Pause, kein Atmen. Irrtum der Maschine? Brecht fühlt nicht, er sieht. Und Barschels rechter Schuh fragt nicht nach Schuld. Nur „Sie weiß, wann ich atme. Sie hat Zeit. Sie ist Zeit. Sie verbraucht mich nur“. Und dann, im Text Moldavia, Suicidgedanken. „Ich bin der Fehler im Formular.“ Irrtum der Maschine? Metaphysik vermischt mit realen Fragmenten. „Mr. Dogma: Immer online“ – eine unbarmherzige Kritik an der digitalen Überforderung, sowohl am politischen als auch am kulturellen Leben endet die unversöhnliche Diagnose.
Im zweiten Teil der Lesung wird Literatur in Rhythmus und Musik performt. Sigmund Freud, die Nibelungensaga und Becket treten mit auf. „Ein Atem zieht durch das Ich“. Freud und das „Ich“ im Zwiegespräch. Anstatt Godot – auf den ja immer noch gewartet wird – kommen Siegfried, Kriemhild, Brünhilde und Hagen aus der „Hagenmaschine“ in der „Stahl unter der Haut zittert“. Wem sitzt der „Drache im Kopf“? Text, Musik, Gesang , Dramatik von Christian Dörge. Einem Kind der der musikalischen Independent Zeit, wie er sagt. Übergreifende Kunst aus einer Hand, aus einem Kopf, aus einer Maschine. Unmöglich – auch für den geneigten Rezensenten – das alles in Worte zu fassen.
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„Die Maschine zählt“ und arbeitet anscheinend ohne Unterbrechung im Text- und Musiklabor.
Abendbericht: Beppo Rohrhofer