MLb-Lesung März 2026 Selina Gölling-by-S.Görtz

Über Gott und die Welt – Abendbericht vom 27. März 2026

Ihre Texte, erklärte die Autorin Selina Golling zu Beginn ihrer Lesung scheinbar floskelhaft, handelten über „Gott und die Welt“. Wie sich während ihrer Lesung zeigte, war die Formulierung indessen keine Floskel. Ihre zehn Texte handelten – in dieser Reihenfolge – von der Welt und – und nach der Pause – in der Tat auch von Gott. Es waren nach klassischer Einordnung Prosatexte, aber von poetischen Formulierungen und Äußerungen durchwirkt, so dass sie sich mitunter während des Fortgangs des Vortrages in Gedichte zu verwandeln schienen.

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MLb-Abend-März 2026

Konkurrenzlos – Abendbericht vom 6. März 2026

Das Reglement für den Haidhauser Werkstattpreis sieht für die Vorrunden mindestens vier Autorinnen und Autoren vor, diesmal wollten aber nur drei ihre Texte vortragen. So wurde aus dem offenen Abend eine Lesung ohne Wettbewerb.

Als Erste las Roxi Nahid lyrische Kurzprosa. Der sehr dichte Text „Das Lächeln“ arbeitet mit vier Perspektiven: „Die Mutter“, „Die Tochter“, „Der Sohn“, „Der Bestatter“. Der Vater fehlt. Die Familie ist dysfunktional, die Kränkungen sind unüberwindbar, die durchscheinenden Sehnsüchte der Mutter, der Tochter, des Sohnes bleiben unerfüllt; die Mutter wählt den Freitod.
Der Prozess ihres Schreibens, so die Autorin, sei eine allmähliche Verdichtung und Verknappung über einen längeren Zeitraum hinweg bis hin zur endgültigen Form, in der kein einziges Wort mehr entbehrlich sei. Das Publikum fand dies „anrührend gelungen“, wobei auch die Möglichkeit zur Sprache kam, das Thema genau in die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln, nämlich die Geschichte tatsächlich auszuerzählen. Spannend.

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Lesung Brümmer-v-Ochsenstein-MLb Feb_26

„Chapeau“ – Abendbericht vom 27. Februar 2026

….wäre zu wenig an Applaus für diesen besonderen Abend im MLB mit Jutta v. Ochsenstein und Miriam Brümmer. Silke Scheffel konnte leider nicht dabei sein. Die beiden haben die MLB-Besucher verzaubert. Jutta v. Ochsenstein las sowohl aus ihrem Lyrikband „dennoch atmen“ als auch aus den Lyrischen Prosaminiaturen „aufbrechen“ und aus neuen Werkstattaufzeichnungen.

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Philipp Létranger und Sigrun Schnabel - MLb

Ein lyrischer Dialog – Abendbericht vom 20. Februar 2026

Vor nahezu vollbesetzten Stuhlreihen lasen die beiden Autoren Philipp Létranger und Sigune Schnabel Lyrik. Dass sie das nicht zum ersten Mal taten, erkannte man an den Büchern, die ihre Namen trugen und die auf dem Lesetisch gestapelt waren. Man hörte es auch von der ersten gelesenen Zeile an: Beide Autoren lasen so gut wie fehlerfrei, Philipp Létranger verhalten in Lautstärke, Phrasierung und Artikulation, Sigune Schnabel hingegen pathetisch-„theatrisch“, was ihrem Vortrag eine besondere Eindringlichkeit, aber auch eine gewisse Schwere verlieh, so dass sich ein Anwesender zu der Bemerkung hinreißen ließ, er könne sich nach einer gewissen Dauer dieser Schwere auch einmal ein „leicht“ gesprochenes Wort vorstellen.

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Athena Delere

Grundsätzliches – Abendbericht vom 13. Februar 2026

Da die Abendautorin sich wegen der widrigen Verkehrsverhältnisse (Sicherheitskonferenz) verspätete, las zu Beginn Franz Oberhofer, der sich unter den Zuhörern befand, zwei Gedichte vor, die er in seinem Smartphone gefunden hatte: „Am Brunnen“ und „Vorrat“.

Die von Athena Delere dann vorgetragenen Texte boten dem Publikum Anlass, mit der Autorin und mit sich selbst über zwei Dinge grundsätzlich zu diskutieren: Einmal darüber, was Literatur eigentlich ist. Wann, so die Frage, ist ein Text ein literarischer Text, wann ist er das noch nicht? Zum anderen: Was darf Kritik, wie weit darf Kritik gehen? Um das Ergebnis oder die Antworten vorwegzunehme: Es gab in beiden Fällen, sozusagen naturgemäß, keine.

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Christian Dörge – MLb

Schwere Kost aus dem Textlabor – Abendbericht vom 23. Januar 2026

von Christian Dörge kreiert und häppchenweise auf Gourmetniveau serviert. Es ging „unter die Haut des Werkes“. Straßen werden zu Nervensystemen, Bars zu Flutbecken, Literatur zur Partitur. Aus Gedanken kann Rhythmus werden. „Für Dich Mutter, Dein Ende ist nichts.“ Was war in Berlin? „Keine Bilder für´s Familienalbum1988.“ Was ist heute in München? „Fenster dicht beschrieben, ganzjährige Weihnachtsbeleuchtung beim Nachbarn“. Kein Trost.

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