Familie und andere Katastrophen – Abendbericht vom 20. März 2026

Bei dem Themenabend am 20. März 2026 waren Texte zum Thema „Die Frau auf der Treppe „gefragt, insgesamt sieben Autorinnen und Autoren trugen mehr oder weniger zu diesem Thema passende Texte vor.

Den Anfang machte Ulrich Braun mit „Die Frau auf der Treppe“. Eine Frau steht auf einer Treppe einer alten Villa auf einer Elbeinsel und beobachtet die hochwasserführende Elbe, wie das Wasser Stufe um Stufe sich dem Eingang nähert. Sie erinnert sich dabei an Ausflüge als Kind mit ihrem Vater in die sächsische Schweiz zum Schauplatz eines möglichen Mordes vor Jahrzehnten. Man erfährt, dass sie mit ihrem Lebensgefährten in der Villa ein Restaurant betreibt, das schon früher vom Hochwasser heimgesucht und beschädigt worden ist, ein Holzschuppen treibt in dem Hochwasser vorbei, es ist eine Villa Bärenfett aus der Kindheit der Protagonistin, die überschattet war von dem Weggang des Vaters in den Westen. Kurz bevor das Hochwasser die letzte Stufe der Treppe erreicht, bemerkt die Protagonistin das der Scheitel bereits überschritten ist.

Das Publikum lobte die ausgefeilte Sprache, und die gekonnte Dramaturgie des Textes in einem klassischen Erzählstil.

Patrik Erdmann folgte mit „Er wollte hinaus ins Freie“ einer Geschichte, wo die Stimme einer Frau den Protagonisten stoppt, der herkommen soll, sich eine Hand auf die Schulter legt und Geister heraufbeschworen werden. Die Zuhörer fanden diese Geschichte spannend und rätselhaft und lobten sie als originell.

Ein PC einer allein lebenden verschwundenen Frau voller dort gespeicherter Bilder, in der diese Frau mit Maske und unterschiedlicher Kleidung auf vielen Treppe steht, war Gegenstand des sehr kurzen Textes von Günter Mitschke „Labyrinth“.

Es folgte Petra Lang mit einer etwas verworrenen Geschichte über zwei Schwestern. Vera, die im Kaffee Guglhupf als Kellnerin arbeitet und ihre Schwester Patrizia, die neu in die Stadt kommt und vom Vera viel geschenkt erhält, etwa einen Wohnzimmerschrank, und ihrer Schwester wiederum Geld gibt. Zum Schluss ist Vera nicht mehr Kellnerin im Café, man sieht sie aber auf einem Großbildschirm in einer Kaufhauskette in einem Video dass von einer Patti stammt.

Das Publikum fand den Text verwirrend und unverständlich und vermisste eine durchgehend erzählte Geschichte.

Der Protagonist in der darauf folgenden Geschichte vom Nisanga Baumann fährt regelmäßig in einem Linienbus mit einem Sitzplatz am Fenster an einem alten Haus zwischen Hochhäusern vorbei und sieht dort eine junge Frau auf einer Treppe stehen, was ihn zum Weinen bringt, worauf er nach ihr regelmäßig Ausschau hält und sie nach Wochen wieder sieht. Er geht der Sache nach und findet heraus, das die Treppe zu einer Bibliothek gehört, wo der Protagonist eine am Bildschirm arbeitende Bibliothekarin antrifft, die mit einer Frau oft der Treppe nichts anfangen kann, aber darauf hinweist, das früher vor 25 Jahren im Gebäude eine Frauenauffangstation gewesen war und es dort eine junge Frau gegeben hat, die bei der Geburt ihres Kindes gestorben ist, wobei anhand des Namens herauskommt, das der Protagonist eben jenes Kind gewesen ist.

Das Publikum lobte die Geschichte als eine spannende mysteriöse Geschichte, psychologisch überzeugend, fand sie aber teilweise am Anfang zu überladen.

Barbara Bacher trug einen Abschnitt aus ihrer Autobiografie vor, in dem sie im Jahr 1970 in Berlin eine Altbauwohnung auf halber Treppe bewohnte, fotografierte, mit Hasso und zwei Minimädchen in Marokko war, Kleider von der Portobello Road trug, rauchte und Trips einschmiss, Kneipen kennenlernte und ebenso den schönen Georg, der die Abendschule besucht und bei ihr einzieht, dann aber mit einer Tänzerin auf eine griechische Insel fährt und sie hinterher und vieles andere, auch die Lektüre von Adorno, Horkheimer und Aristoteles, die der Protagonist in Krisen Halt gibt.

Die Zuhörer fanden den Zeitkolorit gut getroffen, lobten die Sprache des oft witzigen Textes, fanden aber die Verweise auf die philosophische Lektüre wenig überzeugend.

Den Abschluss machte Rosamaria Valdevit mit „Du sahst nicht was ich sah“, einer lyrischen Mutter-Tochter- Geschichte „unten Zucker, oben bitter „. Das Publikum lobte den Text als lyrisch, streng und sehr verdichtet mit einer gekonnten Sprache und subjektivem Kommentaren.

Abendbericht: Rainer Kegel
Fotos: Beppo Rohrhofer, Christine Waßmann