Wortweg zum Kopfkino – Lesung vom 18.9.2020

Zur 1991. Freitagslesung am 18.09.20 im MLb stellte die Autorin und Journalistin Katrin Diehl zusammen mit der Schauspielerin Henriette Fridoline Schmidt den Text Sonst Ruhe vor blauem Himme l vor. Dieser entstand in der Zusammenarbeit zum Projekt Kopfkino, das die junge Schauspielerin initiierte.


Ein Spaziergang wurde geschildert, in Andeutungen an die Stadt, die man durchaus erkennen konnte, jedoch letztlich keine Rolle spielt. Ein der Ich-Erzählstimme bekannter, allzu bekannter Weg, fächerte sich in reichhaltigen Gedankenbildern vor dem Publikum auf, hervorragend vorgetragen von Henriette Fridoline Schmidt.

Das Zuhören war allein ein Genuss, wie einhellig bescheinigt wurde, aber auch die Vielfalt der geschilderten Gedankenbilder zündete eine interessierte, belebte Diskussion an.

Die Textteile waren hauptsächlich verbunden von immer wieder geschilderten und erwähnten Leichen, die sprichwörtlichen im Keller, und solche, mit denen die Straßen gepflastert sind, denn die Leute hatten „ein großes Verlangen“, ihre Keller freizuräumen. Unter dem Tor des Sieges waren sie gestapelt, jetzt also dort mahnende Worte sich an die Menschen richten, vorbei am Gebäude der Finanzen, wo Organentnahmen auftauchen, danach sei strickt mit Kreuzstich der Körper wieder zu schließen, einen Wunsch nach rosa Kreide verspürt das Erzähl-ich, kommt zur Universität, wo ein rotbackiger Hausmeister Freude an seinem unheilvollen Tun hat. Gegen Ende geht es den Hügel hinauf zur Freiheit.

Einmal taucht die Formulierung „Wegelagerer meiner Gedanken“ auf, was symbolisch für den gesamten Text gelten kann, der stilistisch durchaus an Lyrik angelehnt ist. Durchsetzt mit bewussten Wortwiederholungen wob er den Gang durch die Straßen voran.

Dieser Text und andere des Projektes Kopfkino sind als Podcast zu hören im Internet beim Theater Hoch X : http://theater-hochx.de/kopfkino.html

Ein Text der Zeiträume offen lässt, wurde bemerkt, der nicht historisch oder gegenwärtig gebunden sein will, was sich auch im Wechsel von Präsens und Imperfekt niederschlägt.

Wegen der angeregten Diskussion blieb für den geplanten Vortrag von Gedichten zur Aufheiterung erst in der zweiten Halbzeit Platz. Hier stellte Katrin Diehl, wieder unterstützt von Henriette Fridoline Schmidt, Gedichte vor, die in eine Anthologie für Kinder einfließen sollen. Vielfältiges, wie z.B. das bekannten „Fritzchen-Witz“-Motiv, oder Versionen von „Spannend“, werden in der Art des kindlichen Beobachtens eingefangen. Schwieriges, wie „Statistik“ (z. B. dass eine Frau hierzulande durchschnittlich 1,66 Kinder bekommt, und wie man das verständlich macht und dabei Mathe-Gedankenspielerei betreibt), oder das am ausgiebigsten besprochene Gedicht Wie man eine frische Witwe erkennt , wurden vom Publikum natürlich aufs Kindgerechte hinterfragt. Was darauf hinwies, dass diese Gedichte durchaus nicht nur für Kinder sind.

Bericht von Bea Cavallo