für Anna Funk, Gewinnerin der Vorentscheidung zum Haidhauser Werkstattpreis am 1. Mai 2026 im MLb. Eine Kurzprosa über die Gedanken einer älteren Schauspielerin während sie sich, nach Ende der Vorstellung, unter dem tosendem Applaus des Theaterpublikums, verbeugt. Sie empfindet Verachtung für den Applaus, da dieser nicht ihr Verdienst sei. Der Applaus sei, wegen der Aufführung im Staatstheater und der damit verbundenen Subventionierung erkauft. Nicht wie damals echt, vor langer Zeit, auf der Kellerbühne vor 5 Zuschauern. Von Anna Funk sprachlich großartig und nuanciert, professionell vorgetragen. Verbeugung und großer Applaus. Aber auch den anderen Autor:Innen des Abends gebührt Applaus.
Andreas Meyer äusserte sich literarisch zur politischen Lage allgemein. Der American Dream? Lachhaft. Aber „gibt es einen schöneren Tod, als zu lachen“.
Heike Haas servierte ehrliche – oft traurige – Liebeslyrik. Nüchtern, tiefgründig. Nie klischeehaft, nie schnulzig. “Wie Du riechst?“ „Liebe ist das Einzige, was ich noch weiß“.
Eine wohlkomponierte „Serenade von Zeitgesängen“ in 4 Sätzen präsentierte Gabriele B. Hartl, wie immer, ohne Skript. Sphärisches Geflüster. „Lass mich in Dir Wurzeln schlagen“. „Mondlicht sickert in den Schlaf“. Erfrorene Elfen, chaotische Chöre, murmelnde Mauern mischten sich in die Gesänge. „Nie wieder taub sein, für die Klänge der Erde/Niemals wieder lebendig begraben“. Tiefschürfende, wundervolle Lyrik!
Petra Lang überzeugte mit der spannend und vielschichtigen Erzählung von Tris und einer angehenden Kunstmalerin. Tris, ein Meerschweinchen, wird immer dann von der Malerin hochgeworfen, wenn diese glücklich ist. Als die Malerin eines Tages das Gefühl hat, daß sie jetzt weiß, wie der „Strich“ bei einem Bild zu setzen ist, wirft sie Tris hoch. Kann das Meerschweinchen aber nicht mehr auffangen. Tris landet auf dem Malbrett und ist tot. So kann es gehen!
Am Schluß entführte uns Patricia Foidl mit einem Auszug aus einer längeren Erzählung „Daddies kleine Frauen“ nach Irland. Mit Rückblicken und Zeitenwechseln wurden Familiengeheimnisse, Missbrauch und vernagelter Katholizismus leider nur angedeutet. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, Patricia Foidl einmal einen ganzen Abend im MLb zu hören. Viel echt verdienter Applaus für alle Autor:Innen!
Abendbericht: Beppo Rohrhofer
Fotos: u.a. Christine Waßmann