Am 17. April 2026 stellten insgesamt fünf Mitglieder der Schreibwerkstatt im Giesinger Bahnhof ihre Texte vor. Den Anfang machte Ronja Habek mit einem kurzen Text über typische Situationen in der U-Bahn mit einer Protagonistin, die sich soweit möglich, gegen ihre Umgebung abschottet. Das Publikum lobte den Text als realistisch.
Im Text „Schwarze Mamba“ von Momo Lijsen will man eine solche in einem Garten in einer Einfamilienhaussiedlung gesehen haben. Während die Erwachsenen sich fragen, ob nicht Nachbarn, die in Brasilien auf Urlaub waren, die Giftschlange versehentlich mitgebracht haben könnten und sich auch sonst über ihre Nachbarschaft den Mund zerreißen, fürchtet sich ein kleines Mädchen vor der Hexenkammer unter der Treppe und stößt plötzlich dort mit dem Fuß gegen etwas.
Es folgte Lisa Lipp mit „Alles außer München“ eine Geschichte von vier Frauen, Lisa, die auch in Tel Aviv, Frankfurt oder New York sein könnte, Valerie aus Passau, die dorthin zurückgeht zu ihrem Freund mit Porsche, die kleine Emmy, ein Ass am Computer, die Tuba spielt und dann bei einem Disko-Besuch mit k.o. Tropfen betäubt wird, schließlich Katta, die Polizistin, die vom Pferd gefallen ist, deshalb nur noch im Innendienst arbeiten kann und schließlich den Suizid wählt, und dann die anderen drei an ihrem Grab stehen. Das Publikum lobte die Dramaturgie, andererseits wurde kritisiert, das der Handlungsort austauschbar sei, die Geschichte hätte in jeder Großstadt passieren könne.
Patrick präsentierte sodann „Eine Weihnachtsgeschichte“. Es ist kalt und dunkel, ein Lieferando-Fahrer sucht seinen Weg, eine Papiertüte zerreißt und ihr Inhalt, Lebensmitteleinkäufe, liegen zerschlagen auf dem Pflaster, ein Obdachloser mit drei Hunden und einem Einkaufswagen kommt vorbei, während Kutschen aus Grünwald mit feinen Damen und Hunden heran rollen; der Protagonist sieht weitere obdachlose Weihnachtsmänner, während rote Flüssigkeit aus seinem Kopf rinnt. Das Publikum lobte den Text als eine gute Milieuschilderung.
In „Kurz vorm Kaffee“ von Ronja Habek sieht man den wohlsituierten Herrn Frankenstein am Schreibtisch arbeiten, eine Pendeluhr steht im Arbeitszimmer, die Haushälterin in der Diele mit Vitrinen lässt einen Mann mit Pelerine und Augenklappe ein, der sich im Arbeitszimmer als Frankensteins Sohn Rafael, dessen Mutter gestorben ist, vorstellt und fragt was er tun solle. Die Zuhörer fanden die Geschichte atmosphärisch dicht und dennoch Raum für Fantasie lassend.
Es folgte die Autorin Leo Hoffmann mit „Lernkurve“ und mit einer Protagonistin, die in dem Maximiliansanlagen beim Denkmal für Kobell joggt, dort Flaschenscherben von der untersten Stufe des Denkmals auf den Rand des Radweges schiebt, damit sich keine Kinder daran verletzen, wobei sie dann von einem rasenden Radler unfreundlich angeschrien wird, während sie sich Gedanken über Kobell, den berühmten Mineralogen, Wasserbauer und Verfasser der Geschichte über den Brandner Kaspar macht und dann weiter joggt mit Gedanken über unfreundliche Radler. Das Publikum diskutierte über die Geschichte, insbesondere darüber, ob sie nicht dadurch gewinnen würde, dass sie deutlich früher endet.
Abendbericht: Rainer Kegel
Foto: Franz Westner