Juri Gagarin und Maria Magdalena waren nahe d´ran. Gewonnen hat den Offenen Abend aber Pfarrer Benedikt, der Protagonist in Franz Oberhofers Kurzgeschichte Die Wärme der Anderen. Die Parabel handelt in einem eiskalten („Das Weihwasser roch rostig.“) Pfarrhaus im Winter, in dem die Heizung ausgefallen ist. Benedikt, seine alte Haushälterin Agnes und der Diakon müssen jetzt zusammenrutschen, um sich aneinander zu wärmen. Wie die Kaiserpinguine, die in eiskalten Gefilden nur so überleben können. „Keiner überlebt am Rand.“ Das birgt Gefahren und Animositäten. Literarisch gekonnt durchkomponiert – insbesondere auch das was nicht direkt erzählt wird – kommt die Geschichte beim zahlreich erschienen Publikum am Besten an.
Aber auch Sahra Rahnenführer mit Alpha DNA – Kurzgeschichte über einen unsicheren Zeitgenossen, der zum Body-Builder werden will, um besser bei Frauen anzukommen, der aber dann doch bei einer Anti-Patriarchats-Demo eines Besseren belehrt wird – konnte punkten.
Wie auch Thomas Wagner, dessen Protagonisten die nackten Zehen von Maria Magdalena auf einem Bildnis in einer Kirche nicht nur magisch anziehen. Der Autor sagte, dass dies übrigens zur Zeit des Raumflugs von Juri Gagarin gewesen sei.
Tania Rupel Tera servierte – wie immer sympathisch, gesprächig, unkonventionell – Schneeflocken und Schwarztee. Ein rückblickender Dialog zwischen Mutter und Tochter anläßlich des Begräbnisses des Großvaters.
Annette Katharina Müller versuchte die Zuhörer mit der leicht, lockeren Geschichte Der magentarote Lippenstift bei einer etwas anzüglichen Betriebsfeier zu betören.
Auch Steffen Nowak hatte kein Glück mit der Kurzgeschichte Rot sehen. Obwohl spannend und gekonnt vorgetragen, entsprach die Erzählung über einen sich in Lebensgefahr befindenden und deshalb aus einem Container befreiten Mann, der sich später als Nazi herausstellte, nicht ganz dem Geschmack des Publikums.
Großer Schlußapplaus des Publikums für alle Beteiligten!
Abendbericht: Beppo Rohrhofer
Foto: Franz Westner