Freitag, den 8. Mai 2026 las Leo Hoffmann Kurzgeschichten im Münchner Literaturbüro vor.
In der Kurzgeschichte „XX + XY“ führte die Autorin das Publikum in ein Wiener Kaffeehaus, wo der Protagonist sehnsuchtsvoll auf seine Schwester wartet, einen Einspänner und einen Kakao bestellt und die Kellnerin Elli wahrnimmt sowie die Stimmen der Gäste rundherum, wie etwa die einer Musikbegeisterten, einer Geschäftsfrau in lila, eines Mannes mit Bankdirektorrücken und dessen junger Begleiterin. Dabei denkt er Protagonist an vergangene romantischer Tage mit seiner Schwester in Venedig. Unterdessen vergeht die Zeit, die Schwester, die um 8:00 Uhr kommen wollte, kommt schließlich um 9:30 Uhr und begegnet ,dem Protagonisten recht kühl und meint, er solle sie doch so, wie sie ist, lassen. Dem Publikum gefiel überwiegend die Geschichte und es wurden schöne Bilder, und Wortspiele gelobt, andere kritisierten die Geschichte als zu lang und die fehlende Besorgnis und Gelassenheit des Protagonisten während der Wartezeit auf die Schwester für unglaubwürdig
Der Text „Rangstufe 3, Dringlichkeitsstufe B“ beschäftigt sich mit einer allein erziehenden Mutter eines schulpflichtigen Kindes, die nach Scheitern der Beziehung zum Vater des Kindes in einer eineinhalb Zimmer-Wohnung mit ihrem Sohn lebt, und ihrer schlecht bezahlte Arbeit als freiberufliche Übersetzerin kaum nachkommen kann, weil sie keinen Hortplatz für ihren Sohn findet da sie als alleinerziehende Mutter in der Warteliste lediglich in Rangstufe 3 Dringlichkeitsstufe B eingeordnet wurde, nachdem verheiratete Frauen und insbesondere Beschäftigte im öffentlichen Dienst Vorrang haben. Nachdem sie immer nur Absagen auf ihre zahlreichen Bewerbungen erhalten hat, erhält sie schlussendlich glücklicherweise doch noch eine Stelle in einem städtischen Kultureinrichtung, womit auch der Hortplatz gesichert ist.
Die Zuhörerschaft war unterschiedlicher Meinung über diese Geschichte, die als einfach, aber sehr kompliziert erzählt, empfunden wurde mit schönen Beschreibungen, aber letztlich ohne etwas Neues.
In „Sauna“ erzählt zunächst eine magersüchtige Gärtnereibesitzerin kurz vor der Rente nach 45 Beitragsjahren, die wegen extremen Untergewichts von ihrer Tochter in eine Reha-Einrichtung geschickt wurde, wie ihr die jungen Frauen dort auf die Nerven gehen, wie hart die Arbeit in der Gärtnerei bei Wind und Wetter ist und wie sie zuvor 2 Stunden im Fitnessraum gewesen ist, und mit der Beinpresse gearbeitet hat. Sodann spielt die Geschichte in der Sauna, wo jemand seine Brille vermisst und wo davon die Rede ist, dass eine skelettdürre Frau dabei ist zu kollabieren.
Das Publikum lobte den Text, als spannend, als interessante Schilderung einer Arbeitswelt und einer gelungenen Charakterisierung einer Magersüchtigen.
Zum Schluss präsentierte die Autorin eine Geschichte zweier verfeindeter Lehrerinnen an einem Gymnasium, die sich gegenseitig Urheberrechtsverletzungen und andere Gemeinheiten vorhalten, erzählt in Form von E-Mails. Den Zuhörern gefiel auch diese Geschichte.
Abendbericht: Rainer Kegel
Fotos: Beppo Rohrhofer