Demnächst mehr Meer / Meer, Wasser, Natur / Liebe, Lust und Leidenschaft / Verlust, Trauer, Neubeginn: Das sind die vier Themenbereiche, in die Regina Hellmann ihren Abend im Münchner Literaturbüro gegliedert hat.
Und damit ist schon ein Strukturprinzip der Lyrikerin benannt: Das Zyklische: die Möglichkeit, den Anfang ans Ende zu stellen und mit dem Ende neu zu beginnen, die Lebensmitte nicht als den Anfang vom Ende zu verstehen und die Erkenntnisse, die sich daraus ergeben, für das eigene Leben zu beschreiben.
Das Ernste neben dem Flapsigen leuchtet durch die Titel der vier Leseblöcke: Heiterkeit steht neben Enttäuschung, Energie und Lebensfreude neben Verlust und Tod. Und immer wieder fordert die Autorin die Zuhörer auf zum Neubeginn.
So sind die Titel der einzelnen Gedichte z.B.: Verweilen; Verträumt; Reise zur Sehnsucht; Ankunft; Wellentod; Die Stille dazwischen; Neugierige Hände; Flamenco. Was bleibt? Was fehlt?, fragt die Autorin und rät, die Stille dazwischen nicht als Verlust zu sehen, sondern als Fund.
Das Publikum nahm direkt die Anregungen auf, über die Grundfragen des Lebens, die die Autorin in ihren Gedichten stellt, nachzudenken. Dabei zeigte sich, dass gerade die Fülle an Abstrakta den Zuhörern die Möglichkeit boten, die Worte in den Gedichten mit eigenen Erfahrungen zu füllen, zu ergänzen oder auch zu revidieren. Der Wunsch nach Harmonie wurde vom Publikum geteilt, allerdings auch mit der Warnung vor Lieblichkeit. Auch vermissten manche der Zuhörer eine größere Bildhaftigkeit in den Gedichten, wobei aber klar wurde: Dies ist eine Gedankenlyrik, schlank, knapp, reimlos und sanft rythmisch, die zum Nachdenken anregt.
Abendbericht: Petra Ina Lang
Foto: Ulrich Schäfer-Newiger