… aber nicht im sehr gut besuchten MLB. Love and Peace, Punk, Rausch, Rebellion, Drogen, Absturz, Protest, Chaos und Erwachsenwerden waren angesagt. Martin Fuchs erzählte eine unveröffentlichte, humorvolle Kurzgeschichte von vier befreundeten jungen Männern über einen Roadtrip im alten Ford Taunus zu einem Punk-Konzert der Toten Hosen 1983 in Kirchweidach. Hunter S. Thompson stand Pate. Die Vier kommen aber nie im Club Libella an. Vorglühen und ein unvorhergesehenes Treffen mit Punkern sind die Ursache. Die Punks wollen einen Clip in einer aufgelassenen Tankstelle anfertigen. Klappt aber nicht. Konny, einer der vier Freunde, soll das mit seiner Super-8 Kamera drehen. Das Ganze findet dann allerdings in einer verlassenen Kiesgrube mit Neandertal-Setting statt. Die Geschichte soll so gehen, wie der Totenkopfpunk sagt: „Die beiden Punks landen mit dem Auto in einer einsamen, verlassenen Kiesgrube. Sie steigen aus dem Auto, machen ein Feuer, wollen campen. Aber sie sind nicht allein. Sie werden heimlich von einer Horde Neandertaler beobachtet. Dann erscheint am Rand der Kiesgrube plötzlich eine Gestalt. Es ist Elvis, der King of Rock’n Roll! Er hält eine eindrucksvolle Predigt, so von wegen Friede Freude Eierkuchen, und dann verbrüdern sich alle und feiern ein fröhliches Saufgelage.“ So oder ähnlich könnte es gewesen sein. Irgendwann fahren die Vier wieder Nachhause. Crazy. Die Erzählung verbindet dabei Punkkultur, Rausch und Selbstzerstörung mit einem humorvoll-derben Blick auf das Erwachsenwerden. Kirchweidach. War da was?
Im zweiten Teil des Abends las Martin Fuchs Schlüsselszenen aus seinem, beim Achter Verlag erschienen, Erstlings-Erfolgs-Roman „Das endlos weite Blau“. Es geht um´s Älterwerden der Babyboomer. Unerbittlich tickt die Lebensuhr auch für sie. Der Ich Erzähler und sein ehemaliger Kollege Chief – beide um die 60 und vom Sender gekündigt – auf dem Weg nach Süden. Karriere over. Rotzige, gekonnte Dialoge und Kommentare begleiten die freundlich-wilden Kerle auf dem abenteuerlich, schrägen Trip. Dabei kommen u.A. vor: ein junger Transsexueller, eine ehemalige, gnadenlose Exfreundin, ein Alpenrestaurent in dem ein moderner Film über Sissi gedreht werden soll, wie der Chief mangels Kohle dem Hotelmanager vorgaukelt und auffliegt. Nicht zu vergessen: John Lennon, der den damals 8 jährigen Ich-Erzähler in einer Münchner Eisdiele ausgeraubt haben soll. Der Junge aus der Nachbarschaft sah doch wie der echte Lennon aus. Ist aber egal: der echte Lennon wurde ja mit Yoko bestraft! Rasant, humorvoll in der damaligen Sprache der Protagonisten erzählt. Das Ganze „untermalt“ mit Rockmusik der 70er und 80er Jahre. Ein musikalischer Fundus. Der SZ Kritiker hat geschrieben: „die vielleicht wildeste Story, die bisher in Deutschland über das Älterwerden geschrieben wurde.“ Dem kann sich der Rezensent nur anschließen. Das Buch ist ein Muß! Großer Applaus.
Bericht: Beppo Rohrhofer
Fotos: Christine Waßmann