Das Reglement für den Haidhauser Werkstattpreis sieht für die Vorrunden mindestens vier Autorinnen und Autoren vor, diesmal wollten aber nur drei ihre Texte vortragen. So wurde aus dem offenen Abend eine Lesung ohne Wettbewerb.
Als Erste las Roxi Nahid lyrische Kurzprosa. Der sehr dichte Text „Das Lächeln“ arbeitet mit vier Perspektiven: „Die Mutter“, „Die Tochter“, „Der Sohn“, „Der Bestatter“. Der Vater fehlt. Die Familie ist dysfunktional, die Kränkungen sind unüberwindbar, die durchscheinenden Sehnsüchte der Mutter, der Tochter, des Sohnes bleiben unerfüllt; die Mutter wählt den Freitod.
Der Prozess ihres Schreibens, so die Autorin, sei eine allmähliche Verdichtung und Verknappung über einen längeren Zeitraum hinweg bis hin zur endgültigen Form, in der kein einziges Wort mehr entbehrlich sei. Das Publikum fand dies „anrührend gelungen“, wobei auch die Möglichkeit zur Sprache kam, das Thema genau in die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln, nämlich die Geschichte tatsächlich auszuerzählen. Spannend.