Zwei kleine serbische Mädchen denken, man schreibt an Prince Charles, later king, und bekommt eine Antwort von ihm. Falsch gedacht. Die Antwort kommt von der englischen Botschaft in Serbien. Prince Charles hätte viel zu tun! Zugestellt von serbischen Behörden an die Schule der Mädchen. Das war im März 1964.
Und danach kamen die Probleme mit der Schule. Man kann ja nicht einfach Kontakt mit dem kapitalistischen Ausland aufnehmen. Ausgeträumt! Keineswegs, wie uns Valeria Vajs in ihren gelungenen Gedichten und Geschichten erzählte. Immer wieder gibt es Wendungen.
Die alte Dame im Seniorenheim, die bald sterben wird, aber den Tod, der unverhofft leise und still kommt, als ihren Freund bezeichnet. Oder die traurig-schönen Erinnerungen in dem Text Mein Elternhaus. Der Verlust ist groß, trotzdem ist sie mit sich im Reinen: „mein Herz wohnt heute noch in dir.“ Oder die Erzählung – mehr eine Parabel – vom Karneval im Wald, in der die Tiere Menschenmasken tragen und zu Menschen werden. Der Wolf als Räuber. Der Fuchs wird zum Schauspieler. Die vorgehaltenen Spiegel funktionieren.
Zum Schluß gab es noch die Geschichte von der unglücklichen, aber evtl. gefährlichen Arbeitskollegin Becky. Becky immer in Schwarz. Immer Hosen, nie Rock. Sucht Nähe zu Frauen. Mit der Kollegin verabredet sie sich einer dunklen Kneipe zum Tanzen. Die Arbeitskollegin ist enttäuscht, überrascht und wird schlußendlich von einem homosexuellen Mann „gerettet“. Becky wird am nächsten Tag bewußtlos an der Isar gefunden und gerettet. Auch wenn das Zauberland, der Traum in dem alle fröhlich sind, wie die Autorin meint, nicht wirklich existiert: Wunder gibt es immer wieder. Wenn sie Dir begegnen mußt Du sie auch seh´n. Die Autorin sieht diese immer wieder. Wie in dem Text Ich lebe. „Ich war tot innerlich. Das Leben glitt an mir vorbei. Nichts berührte mich. Ich nahm den Kampf geben mich auf.“ Sie hat den Kampf gewonnen und die Besucher des MLB daran teilhaben lassen.
Spannungsbögen ohne viel Spannung und trotzdem hörenswert. Viel Applaus!
Bericht und Foto: Beppo Rohrhofer