Die Lesung mit Lyrik dreier Autoren, nämlich Jannette Hofmann, Mirko Boucsein, und Christian Dörge war unter dem Motto „Drei Stimmen – ein Abgrund“ angekündigt. Abgründe zeigten die Texte in der Tat häufig auf, aber nicht immer den gleichen Abgrund, vielmehr unterschiedliche sprachliche, gesellschaftliche und persönliche Abgründe.
Der Autor Christan Dörge näherte sich mit seinen Texten „Drei – alles sezieren „, „Höllengeometrie“ , „Wehmark Nullmark Mutternull“, „I should be so lucky“, „Das Imperium der Schnitte“, „Dada und goldkrankes Weimar I und II“, „Bringt eure Brandopfer“ Sprache, aber auch Politik und Gesellschaft, namentlich der Berlins und Deutschlands in den 1920er Jahren, vielfach wie mit dem Seziermesser: „Messer schlitzt die Zeilen auf“, „Berlin, Bär in, Bär aus .. elektrifiziert bis in die falschen Zähne“ „In my imagination is no complication“,“ der Mensch wird wegen Umbaus geschlossen“ „Wechselstrom Gleichstrom Blutstrom … da ruft der Aktienkadavrist vor dem Weimaraner Fenstersturz“, „Der Mensch ist morgenschief“, „Ich kratze Buchstaben aus meiner Haut, darunter Draht“.
Gegenstand der Gedichte Jannette Hofmanns waren von einem Text mit engem Bezug zum Literaturbetrieb „Auf dem literarischen Markt“ abgesehen, persönliche Abgründe, aber auch beeindruckende Naturerlebnisse: “Ich habe die Zeit damit verbracht ein Flipperhebel zu sein auf dem Land“ „Leise an Sorgen stürzt die schwangere Frau ins Wasser“ „Dich treffen all die Blicke“ „Der Morgen kommt nicht ins Gehen aber schweigt in seiner Stille“ „Eine Sonne wie eine Amokfahrt in den Vulkan“ in den Texten „Der Flipperhebel“, „An dem verwunderten Bach“, „Der Kaktus“, „Der Morgen kommt nicht in Gold“, „Meine sinnliche Karawane“.
Stimmungen, Jahreszeiten und Assoziationen an Landschaften, auch mit Bezügen zur antiken griechischen Mythologie, zeigten die lyrischen Texte Mirko Boucseins „Der Ruf der Ferne“, „Die Wunde und die Quelle“, „Die Kunst des Verwurzelns“, „Die dunkle Jahreszeit“, „Wiederkehr des Lichts“, „Die Welt“ mit teils lebens – und naturbejahendem, teils verstörendem Inhalt: „Ikarus keine Geldeinheit… Venusschmerz…. köstlichste Dämmerung der Welt“, „Zerstörung traf sich mit Ekel vor dem vernachlässigten Kind“,“ Tragen die Hügel Nebelschleier“, „Ich rufe in meinem Herzen vor dem Winter…. der graue Wind verbläst die Kerzen“, „In der Wärme des frühen Lichts steigen Geister in die Bläue…. der Himmel fliegt hinaus ins Blau“, „beherzt nahm Persephone Hekates Hand“.
Das Publikum war voll des Lobes, und fand die Lesung sehr abwechslungsreich, einen guten Dreiklang, spannend von Anfang bis Ende, mit den Wortspielen zur Weimarer Zeit gut und konkret und anderes als Beispiel dafür, dass aus Unsinn Esprit kommen kann.
Abendbericht: Rainer Kegel
Foto: Simone Kayser