Wie denn auch? Er wurde ja von Mobby Dick in die unendlichen Tiefen der Meere gezogen. Das hat dem gut besuchten Themenabend – Walverwandtschaften – im MLb aber keinen Abbruch getan.
Knapp, knapper, Günther Mitschke: Wal Timmy gehöre natürlich zur Verwandtschaft, auch wenn sich diese in „Goetheborg“ befinden sollte, wie er uns in seinem Kurztext offenbarte.
Claudia Böning erzählte in dem Text „Interview mit einem Walforscher“ von einem Mann der mit dem Geschenk seiner Großmutter, einem grünem Stoffwal mit blauen Flossen, unterwegs ist. Es geht um „Great Whale“. Eine skurrile Geschichte auch über Spielcasinos und Zocker.
Bei Petra Lang erlebt die leibhaftige Geier Wally in einer sternenklaren Alpinnacht die Verwandlung der Berglandschaft zum Meer. Sie selbst wird zum Wal. „Nein Du bist Wally!“ sagt eine Stimme von Oben. Dann wird´s schon stimmen. Das denken auch die anderen Tiere. Und auch Walfried, der auf einem Berg steht, sieht das so. Und wenn die beiden nicht gestorben sind, leben sie glücklich und zufrieden. Wo und wie auch immer. Ist das Kunst? Natürlich ist das Kunst!
Wutbürger und Wa(h)lrecht waren Thema bei Walter Grassl. Wutbürger tut sich die Natur nicht an. Insofern sind auch diesbezügliche Walverwandschaften sehr unwahrscheinlich. Wenn der Rezensent dies denn auch recht verstanden hat?
Franz Oberhofer zeigte in seinem geheimnisvollen, philosophischen Text „Walverwandtschaften“ was bei dem Thema so alles möglich ist. Es geht um das Vater/Sohn-Verhältnis. Vater Lars ist Fischer, der Sohn Nils naturbegeisterter, nachdenklicher Meeresanwohner. Als beide in eine Muschel hineinhören sagt Nils zu seinem Vater Lars: „Du hörst anders. Ich höre den ganzen Rest, der noch in der Muschel steckt.“ Bei anderer Gelegenheit sagt er: “Das Meer erklärt nichts.“ Lars hat keinen Zugang zu den Gedanken seines Sohnes. Er bemüht sich auch nicht. Dann verschwindet Nils, nach einer nächtlichen Fahrt aufs Meer. Bleibt verschollen. Eine Walsippe versammelt sich, wie immer im März, an einer ganz bestimmten Stelle im Meer. Lars besucht sie dort und denkt über sich und seinen Sohn nach. Die Wale verhalten sich sonderbar. Versucht einer von Ihnen Kontakt herzustellen? Auch Nils kannte und mochte den Ort sehr. Man sagt es könnte das geheimnisvolle Havelsund sein. Die Wale verschwinden. Zurück bleibt ein Vater, der nach Erklärungen und einem Sinn sucht. Wie meinte doch seine Frau zu ihm: „Du hast ihm nie zugehört.“
Leo Hoffmann nutzte das Thema um die verrückte Demenz-Geschichte von Beppi und der Erzählerin vorzutragen. Vorzutragen deshalb, weil die Autorin gekonnt vorgetragen hat. Wer ist Beppi? Wer ist dement? Beppi als auch die Erzählerin könnten es sein. Ist Beppi doch ein Wal? Beppi ist jedenfalls am Schluß tot. Sein Herz steht still. Aber auch mit einem Loch im Kopf. Eine Walflosse hat er wahrscheinlich auch noch, weil der herbeigerufene Arzt, bzw. die Erzählerin davon raunen.
Viel Applaus für alle Autor:Innen.
Wie schon gesagt: Ahab hat nicht gefehlt an diesem Abend.
Abendbericht: Beppo Rohrhofer
Foto: Christine Waßmann